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Firma verkaufen: Ablauf, Wert und Steuern im Überblick

Peter Nadolinski
CEO & Gründer von VAP
Ungefähre Lesedauer
8 Minuten
Firma verkaufen: Ablauf, Wert und Steuern im Überblick

Inhaltverzeichnis

Die eigene Firma verkaufen ist für die meisten Unternehmer eine einmalige Entscheidung. Anders als beim täglichen Geschäft gibt es keine Lernkurve über mehrere Versuche. Wer den Prozess einmal falsch aufsetzt, merkt es oft erst, wenn der Preis feststeht oder der Käufer abspringt.

Genau deshalb lohnt es sich, die Grundlagen zu kennen, bevor die ersten Gespräche beginnen. Dazu gehören die Frage nach dem Wert, der Ablauf in seinen Phasen, die steuerlichen Folgen und die Wahl des richtigen Käufers.

Dieser Beitrag führt durch alle vier Bereiche, unabhängig davon, ob Sie ein Einzelunternehmen, eine GmbH oder eine Personengesellschaft führen. Am Ende wissen Sie, welche Schritte anstehen, welche Größenordnung realistisch ist und welche Fehler Sie sich sparen können.

Was die Rechtsform für den Verkauf bedeutet

Bevor es um Preis und Ablauf geht, entscheidet die Rechtsform über die Mechanik der Transaktion. Wer eine Firma verkaufen will, muss deshalb zuerst wissen, was er überhaupt übertragen kann.

Bei einer GmbH übertragen Sie in der Regel Ihre Gesellschaftsanteile. Der Käufer erwirbt die Gesellschaft samt allen Verträgen, Mitarbeitern und Verbindlichkeiten. Die Abtretung muss notariell beurkundet werden. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zum Verkauf einer GmbH sowie zum Verkauf einzelner GmbH-Anteile.

Bei einem Einzelunternehmen existiert dagegen kein Anteil, den man übertragen könnte. Hier werden die einzelnen Wirtschaftsgüter verkauft: Maschinen, Fahrzeuge, Vorräte, Kundenstamm und Auftragsbestand. Verträge gehen nicht automatisch über, sondern müssen einzeln übertragen werden, was die Mitwirkung von Kunden und Lieferanten erfordert.

Personengesellschaften liegen dazwischen. Auch dort ist der Verkauf von Gesellschaftsanteilen möglich, die steuerliche Behandlung folgt aber anderen Regeln als bei der GmbH. Welcher Weg für Sie gilt, sollte früh geklärt sein, weil er Haftung, Aufwand und Steuerlast bestimmt. Die grundsätzliche Unterscheidung erklärt unser Beitrag zu Share Deal oder Asset Deal.

Firma verkaufen: Wert realistisch bestimmen

Die häufigste Frage von Inhabern, die ihre Firma verkaufen möchten, lautet: Was ist der Betrieb wert? In der Praxis dominiert im Mittelstand das Multiplikatorverfahren. Dabei wird das bereinigte Ergebnis mit einem branchenüblichen Faktor multipliziert.

Entscheidend ist das Wort bereinigt. In vielen Firmen fließen private Positionen durch die Gewinn- und Verlustrechnung, der Inhaber zahlt sich ein untypisches Gehalt oder Familienangehörige arbeiten unentgeltlich mit. All das muss korrigiert werden, um das nachhaltig erzielbare Ergebnis sichtbar zu machen. Wie diese Rechnung funktioniert, zeigt unser Leitfaden zum Unternehmenswert berechnen.

Auf dieses bereinigte Ergebnis wird der Multiplikator angewendet. Er hängt von Branche, Größe, Ertragsstabilität und Abhängigkeit vom Inhaber ab. Kleine, stark inhabergeprägte Betriebe liegen häufig im unteren einstelligen Bereich. Sobald ein Unternehmen eine eigene Führungsebene hat und für professionelle Erwerber investierbar ist, ziehen die Faktoren deutlich an. Die Bandbreiten je Branche erläutert unser Beitrag zum EBIT Multiple im Mittelstand.

Vier Werttreiber wirken dabei besonders stark: wiederkehrende Umsätze statt Einzelaufträge, eine breite Kundenstruktur ohne Klumpenrisiko, ein eingespieltes Team mit geringer Fluktuation und eine Geschäftsführung, die auch ohne den bisherigen Inhaber funktioniert. Wer diese Punkte vor dem Verkauf verbessert, verändert nicht nur die Zahlen, sondern den Faktor selbst.

Der Ablauf in fünf Phasen

Eine Firma verkaufen folgt einem klaren Muster, das sich in fünf Phasen gliedert. Zwischen Entscheidung und Zahlungseingang liegen realistisch ein bis drei Jahre, je nach Vorbereitungsstand.

In der ersten Phase steht die Vorbereitung. Zahlen der letzten drei Jahre werden aufbereitet, Verträge geordnet, Abhängigkeiten reduziert und der Wert ermittelt. Eine strukturierte Checkliste für den Unternehmensverkauf verhindert Lücken, die später in der Prüfung auffallen.

Die zweite Phase ist die Ansprache. Auf Basis eines anonymen Kurzprofils werden passende Interessenten kontaktiert. Vor der Offenlegung von Namen und Zahlen unterschreiben diese eine Geheimhaltungsvereinbarung. Diskretion ist hier kein Komfort, sondern Schutz für Mitarbeiter und Kundenbeziehungen.

In der dritten Phase folgen Gespräche und eine Absichtserklärung, der Letter of Intent. Er hält Preisvorstellung, Struktur und Zeitplan fest, ohne endgültig zu binden.

Die vierte Phase ist die Due Diligence. Der Käufer prüft Zahlen, Verträge, Steuern, Personal und Risiken. Wer hier saubere Unterlagen liefert, schützt seinen Preis. Wer nachliefern muss, verliert Vertrauen und damit Verhandlungsspielraum.

Die fünfte Phase umfasst Vertragsverhandlung und Abschluss. Hier werden Garantien, Kaufpreismechanik und Übergabemodalitäten geregelt. Häufig kommen dabei variable Bestandteile wie ein Earn Out oder ein Verkäuferdarlehen zum Einsatz, um unterschiedliche Preisvorstellungen zu überbrücken.

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Verkauf: Firma komplett oder nur Anteile abgeben?

Nicht jeder Ausstieg muss vollständig sein. Wer seine Firma verkaufen möchte, hat grundsätzlich drei Varianten, und die Wahl hat große Auswirkungen auf Preis und eigene Rolle.

Der vollständige Verkauf ist der klare Schnitt. Sie übertragen alles, erhalten den vollen Kaufpreis und bleiben in der Regel für eine Übergangszeit von einigen Monaten bis zu zwei Jahren beratend an Bord. Für Inhaber, die in den Ruhestand wollen, ist das der Normalfall.

Der Teilverkauf überträgt nur einen Anteil, etwa 60 oder 80 Prozent. Der Verkäufer bleibt Mitgesellschafter, gibt aber die Kontrolle ab und profitiert später von einer möglichen Wertsteigerung. Das ist besonders für Unternehmer interessant, die noch nicht aufhören wollen, aber Risiko streuen möchten.

Die dritte Variante ist die Nachfolge aus dem eigenen Haus. Bei einem Management Buyout übernimmt das bestehende Führungsteam. Kultur und Wissen bleiben erhalten, die Hürde ist meist die Finanzierung.

Wer kauft eigentlich Firmen?

Die Wahl des Käufers beeinflusst den Preis oft stärker als jede Verhandlungstaktik. Verkäufer sollten deshalb alle vier Gruppen kennen, denn sie bewerten sehr unterschiedlich.

Strategische Käufer aus der eigenen Branche zahlen häufig am meisten, weil sie Synergien heben können, etwa über Kundenzugang, Standorte oder Kapazitäten. Wettbewerber sind zugleich die sensibelsten Gesprächspartner, weshalb Vertraulichkeit hier besonders zählt.

Institutionelle Investoren bilden die zweite Gruppe. Sie suchen Unternehmen mit stabilen Erträgen und funktionierender Führung, oft um mehrere Betriebe zu einer größeren Einheit zusammenzuführen. Venture Advisory Partners verfügt über ein Netzwerk von mehr als 150 institutionellen Investoren mit direktem Zugang zu den jeweiligen Entscheidern, wodurch sich ein echter Wettbewerb um ein Unternehmen erzeugen lässt.

Die dritte Gruppe sind Einzelpersonen, die sich selbstständig machen wollen. Sie zahlen meist zurückhaltender und benötigen häufig Verkäuferunterstützung bei der Finanzierung. Die vierte Gruppe ist das eigene Management.

Aus unserer Erfahrung in mittelständischen Transaktionen gilt dabei ein einfacher Zusammenhang: Der Preis entsteht nicht durch Verhandlungsgeschick, sondern durch mehrere gleichzeitig interessierte, qualifizierte Käufer. Ein kostenfreies Strategiegespräch mit den M&A-Beratern von Venture Advisory Partners klärt vorab, welche Käufergruppe zu Ihrem Unternehmen passt.

Steuern: Was vom Kaufpreis übrig bleibt

Wer seine Firma verkaufen will, sollte den Netto-Erlös betrachten und nicht den Kaufpreis. Die Steuerlast hängt von Rechtsform, Struktur und Alter ab, weshalb dieser Punkt früh geklärt werden muss.

Verkaufen Sie GmbH-Anteile als Privatperson, greift in der Regel das Teileinkünfteverfahren mit einer effektiven Belastung im Bereich von grob 26 bis 30 Prozent. Liegen die Anteile dagegen in einer Holding, sind rund 95 Prozent des Gewinns auf Ebene der Holding steuerfrei. Warum das Timing dabei entscheidend ist, erklärt unser Beitrag zum Holding gründen.

Beim Verkauf eines Einzelunternehmens oder Personengesellschaftsanteils gibt es zwei personenbezogene Vergünstigungen. Ab dem vollendeten 55. Lebensjahr können Sie auf Antrag einen Freibetrag von 45.000 Euro nach Paragraf 16 Absatz 4 EStG nutzen. Dieser schmilzt ab, sobald der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt, und entfällt vollständig oberhalb von 181.000 Euro.

Zusätzlich erlaubt Paragraf 34 EStG einen ermäßigten Steuersatz, der bei 56 Prozent des durchschnittlichen Steuersatzes liegt, mindestens jedoch 14 Prozent. Beide Vergünstigungen gelten nur einmal im Leben und setzen voraus, dass alle wesentlichen Betriebsgrundlagen in einem Vorgang übertragen werden. Einen breiteren Überblick gibt unser Beitrag zu den Steuern beim Unternehmensverkauf.

Firma verkaufen und den Betrieb übergeben

Mit der Unterschrift ist der Verkauf formal abgeschlossen, doch für den bisherigen Inhaber beginnt damit die letzte und oft unterschätzte Phase. Wie sie verläuft, entscheidet mit darüber, ob variable Kaufpreisbestandteile später tatsächlich fließen.

Zuerst zählt die Kommunikation. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten sollten geordnet und in der richtigen Reihenfolge erfahren, wer künftig Verantwortung trägt. Wer diese Information dem Flurfunk überlässt, riskiert Verunsicherung genau in dem Moment, in dem Stabilität am wichtigsten ist.

Danach folgt die Wissensübergabe. In den meisten Verträgen bleibt der Verkäufer für eine Übergangszeit an Bord, häufig zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In dieser Zeit werden Kundenbeziehungen persönlich übergeben, Kalkulationslogiken erklärt und interne Abläufe weitergegeben.

Wer den Betrieb sauber übergeben will, sollte diese Phase bereits im Vertrag konkret regeln: Umfang, Dauer, Vergütung und Entscheidungsbefugnisse. Unklare Übergangsregelungen sind eine der häufigsten Ursachen für Streit nach dem Abschluss.

Die häufigsten Fehler beim Firmenverkauf

Wenn Unternehmer eine Firma verkaufen, wiederholen sich vier Fehler, die jeweils spürbar Geld kosten. Der erste ist der zu späte Start. Wer erst handelt, wenn Gesundheit oder Alter drängen, verliert die Möglichkeit, den Betrieb vorher attraktiver zu machen.

Der zweite Fehler ist die Verhandlung mit nur einem Interessenten. Ohne Alternative fehlt jeder Hebel, und der Käufer weiß das. Der dritte Fehler ist eine Preisvorstellung, die auf Lebensleistung statt auf nachhaltigem Ertrag beruht. Sie führt dazu, dass ernsthafte Käufer früh abbrechen.

Der vierte Fehler ist mangelnde Diskretion. Sobald Mitarbeiter, Kunden oder Wettbewerber vorzeitig von Verkaufsabsichten erfahren, entstehen Unruhe und Risiken, die den Wert unmittelbar mindern.

Häufige Fragen zum Thema Firma verkaufen

Wie verkaufe ich meine Firma?

In fünf Phasen: Vorbereitung mit aufbereiteten Zahlen und Wertermittlung, anonyme Ansprache passender Interessenten unter Geheimhaltung, Gespräche und Absichtserklärung, Due Diligence durch den Käufer sowie Vertragsverhandlung und Abschluss. Realistisch dauert das ein bis drei Jahre.

Was ist meine Firma wert?

Der Wert ergibt sich meist aus dem bereinigten Ergebnis multipliziert mit einem branchenüblichen Faktor. Entscheidend sind Ertragsstabilität, Kundenstruktur, Team und die Unabhängigkeit vom Inhaber. Kleine inhabergeprägte Betriebe erreichen niedrigere Faktoren als Unternehmen mit eigener Führungsebene.

Wo kann ich meine Firma verkaufen?

Öffentliche Nachfolgebörsen wie nexxt-change sind ein Einstieg, erreichen aber vor allem kleinere Betriebe. Ein erheblicher Teil des Marktes läuft vertraulich über M&A-Berater und deren Investorennetzwerke. Welcher Weg passt, hängt von Größe und Attraktivität des Unternehmens ab.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Idealerweise dann, wenn das Unternehmen stabil oder wachsend ist, nicht erst unter Zwang. Wer aus einer Position der Stärke verkauft, hat mehrere Interessenten und damit bessere Konditionen. Für steuerliche Gestaltungen wie eine Holding braucht es zusätzlich mehrere Jahre Vorlauf.

Welche Steuern fallen beim Verkauf an?

Bei GmbH-Anteilen im Privatvermögen liegt die effektive Belastung meist zwischen etwa 26 und 30 Prozent, über eine Holding sind rund 95 Prozent steuerfrei. Bei Einzelunternehmen kommen ab 55 Jahren ein Freibetrag von 45.000 Euro und ein ermäßigter Steuersatz infrage, beide nur einmal im Leben.

Muss ich meine Firma komplett verkaufen?

Nein. Neben dem vollständigen Verkauf sind ein Teilverkauf von etwa 60 bis 80 Prozent oder die Übergabe an das eigene Management möglich. Beim Teilverkauf bleiben Sie beteiligt und profitieren von einer späteren Wertsteigerung, geben aber die Kontrolle ab.

Fazit

Wer seine Firma verkaufen will, entscheidet über vier Dinge gleichzeitig: die Struktur der Transaktion, den Wert, die Steuerlast und den Käufer. Diese Punkte hängen zusammen, weshalb sie gemeinsam und nicht nacheinander betrachtet werden sollten.

Die wirksamsten Hebel liegen dabei vor dem Prozess. Ein Unternehmen, das ohne den Inhaber funktioniert, mit sauberen Zahlen aufwarten kann und über wiederkehrende Erträge verfügt, erzielt nicht nur einen höheren Preis, sondern findet überhaupt leichter einen Käufer. Dazu kommt der Wettbewerb: Mehrere qualifizierte Interessenten bewegen den Preis stärker als jede Verhandlungsrunde.

Wenn Sie wissen möchten, welche Größenordnung für Ihr Unternehmen realistisch ist, bietet Venture Advisory Partners eine unverbindliche und kostenfreie Unternehmensbewertung an. Damit starten Sie mit belastbaren Zahlen, statt Ihre Verhandlung auf einer Schätzung aufzubauen.

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