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Due Diligence beim Unternehmensverkauf: So geht es richtig!

Peter Nadolinski
CEO & Gründer von VAP
Ungefähre Lesedauer
7 Minuten
Due Diligence beim Unternehmensverkauf: So geht es richtig!

Die Due Diligence ist für viele Unternehmer der unangenehmste Teil eines Unternehmensverkaufs. Plötzlich wollen fremde Dritte jedes Detail sehen, stellen kritische Fragen und hinterfragen Entscheidungen, die man über Jahrzehnte selbst getroffen hat. Gerade für Eigentümer vor dem ersten Firmenverkauf wirkt dieser Prozess oft wie ein Misstrauensvotum gegen die eigene Lebensleistung.

Aus Sicht von Venture Advisory Partners ist diese Wahrnehmung verständlich, aber sehr einseitig betrachtet. Die Due Diligence ist kein Angriff, sondern ein legitimer, notwendiger und im Mittelstand vollkommen angemessener Prüfprozess. Wenn es um 7- bis 8-stellige Millionenbeträge geht, ist es für Käufer zwingend erforderlich, Risiken und Chancen in kurzer Zeit fundiert zu verstehen. Niemand investiert sein Kapital auf Basis von reinem Bauchgefühl.

Richtig geführt, bietet die Due Diligence dem Verkäufer eine echte Chance. Sie ermöglicht es, den Wert des Unternehmens zu bestätigen, Potenziale klarer herauszuarbeiten und den Käufer besser kennenzulernen. Nicht selten entscheidet sich in dieser Phase, ob aus einem guten Angebot auch ein guter Partner für die kommenden Monate oder Jahre wird.

Warum Due Diligence im KMU-Verkauf unverzichtbar ist

Im deutschen Mittelstand sind Unternehmensverkäufe häufig Nachfolgesituationen. Der Betrieb wurde über Jahre aufgebaut, oft familiengeführt und stark von der Person des Unternehmers geprägt. Gleichzeitig bewegen sich die Kaufpreise meist in einem 7- bis 8-stelligen Bereich, der für Käufer nicht unerheblich ist. Genau hier setzt die Due Diligence an.

Käufer müssen innerhalb weniger Wochen eine finale Entscheidung treffen. Sie kennen das Unternehmen nicht seit 30 Jahren, sondern erst seit wenigen Monaten. Zahlen, Verträge, Strukturen und Abhängigkeiten müssen daher nachvollziehbar, konsistent und erklärbar sein. Die Due Diligence dient dazu, Plausibilität herzustellen und Unsicherheiten zu reduzieren.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Misstrauen und professioneller Prüfung. In unserer Beratungspraxis zeigt sich immer wieder, dass Käufer keine Perfektion erwarten. Sie erwarten Transparenz, Struktur und die Fähigkeit des Verkäufers, sein eigenes Unternehmen verständlich zu erklären. Genau hier liegt der Hebel für Verkäufer beim Firmenverkauf.

Die Due Diligence im Ablauf beim Unternehmensverkauf

Der Unternehmensverkauf folgt im Mittelstand meist einem klaren Phasenmodell. Auf die Vorbereitung und Käuferansprache folgt eine erste Einigung über Eckpunkte, häufig in Form eines Letter of Intent. Erst danach beginnt die eigentliche Due Diligence.

Diese Phase ist der Übergang zur Konkretisierung des Deals. Der Käufer prüft, ob die Annahmen aus Exposé und Managementgesprächen belastbar sind. Gleichzeitig beginnt bereits die gedankliche Vorbereitung der Vertragsverhandlungen. Erkenntnisse aus der Due Diligence fließen direkt in den finalenKaufpreis, Garantien, Freistellungen und die Struktur des Deals beim Firmenverkauf ein.

Aus Sicht von Venture Advisory Partners ist die Due Diligence daher keine isolierte Prüfphase, sondern auch tieferes Kennenlernen zwischen Käufer und Verkäufer sowie das zentrale Scharnier zwischen Letter of Intent und finalem Kaufvertrag. Wer sie unterschätzt oder unstrukturiert angeht, verliert nicht selten Tempo, Vertrauen und Verhandlungsmacht.

Ziel und Funktion der Due Diligence aus Käufersicht

Käufer verfolgen in der Due Diligence drei zentrale Ziele. Erstens wollen sie bestätigen, dass die präsentierten Zahlen und Aussagen zutreffend sind. Zweitens möchten sie Risiken identifizieren, die den zukünftigen Cashflow oder die Haftung beeinflussen könnten. Drittens suchen sie nach Potenzialen, die sie nach dem Erwerb heben können.

Gerade im Mittelstand liegt hier oft ungenutzter Wert beim Firmenverkauf. Viele Unternehmen sind besser aufgestellt, als ihre Unterlagen es vermuten lassen. Prozesse sind gewachsen, Kundenbeziehungen stabil, aber nicht sauber dokumentiert. Eine gut vorbereitete Due Diligence hilft, diese Stärken sichtbar zu machen.

Gleichzeitig lernen Verkäufer in dieser Phase viel über den Käufer. Welche Themen sind ihm wichtig? Wie tief geht er ins Detail? Wie strukturiert arbeitet sein Team? Diese Eindrücke sind nicht zu unterschätzen, insbesondere wenn eine Zusammenarbeit nach dem Closing vorgesehen ist.

Arten der Due Diligence im Mittelstand

Im KMU-Umfeld haben sich bestimmte Prüfungsbereiche etabliert. Die Financial Due Diligence ist praktisch immer Standard. Sie analysiert historische Zahlen, Ertragskraft, Working Capital und Cashflows. Ergänzt wird sie fast immer durch eine Tax Due Diligence, die steuerliche Risiken und Gestaltungsspielräume beleuchtet.

Rechtliche Prüfungen (Legal Due Diligence) gewinnen mit zunehmender Komplexität an Bedeutung. Arbeitsverträge, Kunden- und Lieferantenverträge, gesellschaftsrechtliche Strukturen und Haftungsfragen stehen hier im Fokus. Operative oder technische Prüfungen sind abhängig von Branche und Geschäftsmodell, etwa bei Produktionsunternehmen oder technologiegetriebenen Betrieben.

Eine vertiefte Commercial Due Diligence ist im klassischen Mittelstand seltener, gewinnt aber bei Finanzinvestoren an Bedeutung. Sie betrachtet Markt, Wettbewerb und Kundenstruktur, besonders wenn es sich um das erste Plattform-Investment eines Finanzinvestores im Rahmen einer "Buy & Build"-Strategie handelt. Wichtig ist, dass nicht jede Prüfung gleich tief sein muss. Entscheidend ist die Relevanz für das jeweilige Unternehmen.

Vorbereitung als entscheidender Erfolgsfaktor

Die größten Schwachstellen in der Due Diligence liegen selten im Unternehmen selbst, sondern in der Vorbereitung. Häufig sind Daten vorhanden, aber schlecht aufbereitet. Zahlen existieren, werden aber nicht erklärt. Zusammenhänge sind im Kopf des Unternehmers klar, für Außenstehende jedoch nicht.

Hinzu kommt eine oft beobachtete Abwehrhaltung. Verkäufer reagieren defensiv auf Fragen, statt sie als Ausdruck von Interesse zu verstehen. Aus Käufersicht entsteht so schnell Unsicherheit. Wer nicht versteht, warum eine Frage gestellt wird, kann sie auch nicht überzeugend beantworten.

Aus unserer Erfahrung in mittelständischen Transaktionen ist daher eine kooperativ-transparente Haltung entscheidend. Transparenz bedeutet dabei nicht, alles ungefiltert offenzulegen. Sie bedeutet, Informationen strukturiert, nachvollziehbar und zeitlich sinnvoll bereitzustellen.

Die Rolle des M&A-Beraters in der Due Diligence

Ein erfahrener M&A-Berater ist in dieser Phase weit mehr als ein Organisator. Er hilft bei der strukturierten Vorbereitung des Datenraums, behält den Überblick über den umfangreichen Dokumentationsaufwand und koordiniert die Fragen der Käuferseite.

Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Due Diligence nicht ausufert. Wiederholende oder unscharfe Fragen werden gebündelt, Deep-Dive-Sessions zu kritischen Themen gezielt vorbereitet und moderiert. Besonders wichtig ist die Antizipation zentraler Käuferfragen. Schnelle, klare Antworten schaffen Vertrauen. Verzögerungen hingegen kosten oft mehr als nur Zeit, sie kosten Kaufpreis.

Wie Venture Advisory Partners regelmäßig beobachtet, entscheidet sich die Qualität eines Verkaufsprozesses nicht nur in der finalen Verhandlung, sondern auch in der Art und Weise, wie die Due Diligence geführt wird.

Die verschiedenen Arten der Due Diligence: Was wirklich geprüft wird

Viele Unternehmer sprechen von „der Due Diligence", als handle es sich um einen einheitlichen Prüfblock. In der Praxis besteht die Due Diligence jedoch aus mehreren Teilprüfungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Welche davon zum Einsatz kommen und wie tief sie gehen, hängt vom Käufer, vom Geschäftsmodell und von der Komplexität des Unternehmens ab.

Für Verkäufer ist es wichtig zu verstehen, was hinter den einzelnen Prüfungsarten steckt, welche davon im Mittelstand Standard sind und wo besonderer Vorbereitungsbedarf besteht. So lassen sich Aufwand, Erwartungshaltung und Risiken realistisch einordnen.

Financial Due Diligence: Der Kern jeder Prüfung

Die Financial Due Diligence ist im Mittelstand praktisch immer Bestandteil eines Verkaufsprozesses. Sie bildet die Grundlage für Kaufpreis, Vertragsstruktur und Finanzierung. Im Fokus stehen die historische Ertragskraft, die Qualität der Zahlen und die Nachhaltigkeit des Ergebnisses.

Geprüft werden unter anderem Jahresabschlüsse, BWAs, Umsatz- und Kostenstrukturen, Working Capital, Cashflow sowie außergewöhnliche Effekte. Käufer wollen verstehen, womit das Unternehmen tatsächlich Geld verdient, wie stabil die Erträge sind und welche Annahmen der Bewertung zugrunde liegen.

Ein häufiger Fehler im Mittelstand ist, dass Zahlen zwar vorhanden sind, aber nicht erklärt werden. Einmalige Effekte, Gesellschafterkosten oder besondere Buchungslogiken sind dem Unternehmer klar, dem Käufer jedoch nicht. Genau hier entscheidet sich, ob die Financial Due Diligence zur Bestätigung des Kaufpreises beiträgt oder zur Angriffsfläche wird.

Tax Due Diligence: Risiken aus der Vergangenheit erkennen

Die steuerliche Due Diligence ergänzt die finanzielle Prüfung und ist im Mittelstand ebenfalls nahezu Standard. Ziel ist es, steuerliche Risiken aus der Vergangenheit zu identifizieren, die nach dem Verkauf auf den Käufer übergehen könnten.

Geprüft werden unter anderem Steuererklärungen, Betriebsprüfungen, Verlustvorträge, Verrechnungspreise und umsatzsteuerliche Sachverhalte. Für Verkäufer ist wichtig zu wissen, dass es hier weniger um Steueroptimierung als um Risikoeinschätzung geht.

Offene oder ungeklärte steuerliche Themen führen selten automatisch zu einem Deal-Abbruch. Sie werden jedoch fast immer vertraglich adressiert, etwa durch Garantien oder Freistellungen. Eine saubere Vorbereitung und offene Einordnung schafft Vertrauen und vermeidet unnötige Kaufpreisabschläge.

Legal Due Diligence: Rechtliche Stabilität des Unternehmens

Die rechtliche Due Diligence prüft, ob das Unternehmen rechtlich sauber aufgestellt ist und ob aus Verträgen oder Strukturen zukünftige Risiken entstehen können. Im Mittelstand variiert ihre Tiefe stark, je nach Branche, Mitarbeiterstruktur und Vertragslandschaft.

Typische Prüfungsfelder sind Gesellschaftsverträge, Arbeitsverträge, Kunden- und Lieferantenverträge, Miet- und Leasingverträge sowie anhängige Rechtsstreitigkeiten. Käufer wollen verstehen, welche Verpflichtungen sie übernehmen und wie flexibel das Unternehmen rechtlich aufgestellt ist.

In unserer Beratungspraxis zeigt sich, dass rechtliche Risiken selten überraschend sind, wohl aber häufig schlecht dokumentiert. Verträge existieren, sind aber nicht auffindbar oder veraltet. Auch hier gilt: Transparenz ist wichtiger als Perfektion.

Technische Due Diligence: Abhängig vom Geschäftsmodell

Eine operative oder technische Due Diligence ist im klassischen Mittelstand nicht immer erforderlich, gewinnt aber bei bestimmten Geschäftsmodellen an Bedeutung. Sie kommt vor allem bei Produktionsunternehmen, technologiegetriebenen Betrieben oder stark prozessabhängigen Organisationen zum Einsatz.

Geprüft werden beispielsweise Produktionsanlagen, IT-Systeme, Prozesse, Lieferketten oder Qualitätsstandards. Käufer wollen verstehen, wie skalierbar und stabil das operative Geschäft tatsächlich ist.

Für Verkäufer ist wichtig zu wissen, dass diese Prüfungen meist sehr fokussiert erfolgen. Es geht nicht um Detailverliebtheit, sondern um die Frage, ob das operative Fundament zum geplanten Geschäftsmodell des Käufers passt.

Commercial Due Diligence: Vor allem bei Finanzinvestoren

Die Commercial Due Diligence betrachtet Markt, Wettbewerb, Kundenstruktur und Wachstumspotenziale. Im klassischen KMU-Verkauf ist sie seltener, spielt jedoch bei Finanzinvestoren mit Wachstumsfokus eine zunehmende Rolle.

Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Marktposition, Kundenabhängigkeiten, Preissetzungsmacht und Entwicklungsperspektiven. Diese Prüfung greift häufig auf Managementgespräche, Marktanalysen und Kundenstruktur-Auswertungen zurück.

Für Verkäufer bietet sich hier eine besondere Chance. Viele mittelständische Unternehmen sind besser positioniert, als sie selbst glauben. Eine gut vorbereitete Commercial Due Diligence kann helfen, verborgene Stärken sichtbar zu machen und die strategische Logik des Käufers zu untermauern.

Nicht jede Due Diligence ist für Käufer relevant

Ein zentraler Punkt für Eigentümer vor dem ersten Verkauf ist die Erkenntnis, dass nicht jede Art der Due Diligence in voller Tiefe erforderlich ist. Im Mittelstand gilt der Grundsatz: Relevanz vor Vollständigkeit.

Welche Prüfungen sinnvoll sind, hängt vom Unternehmen, vom Käufer und vom Deal-Ziel ab. Ein erfahrener M&A-Berater hilft dabei, die Prüfungslogik zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und den Prozess steuerbar zu halten. So bleibt die Due Diligence beherrschbar, effizient und wertorientiert.

Fazit

Die Due Diligence ist ein fester und legitimer Bestandteil jedes Unternehmensverkaufs im Mittelstand. Käufer müssen in kurzer Zeit verstehen, was sie erwerben, welche Risiken bestehen und wo Potenziale liegen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen, sondern professioneller Sorgfalt.

Für Verkäufer entscheidet sich in dieser Phase viel. Nicht Perfektion ist ausschlaggebend, sondern Struktur, Transparenz und die Fähigkeit, das eigene Unternehmen verständlich zu erklären. Eine kooperativ-transparente Haltung schafft Vertrauen und reduziert die Gefahr von pauschalen Kaufpreisabschlägen.

Aus unserer Erfahrung bei Venture Advisory Partners zeigt sich, dass eine gut vorbereitete Due Diligence den Verkaufsprozess stabilisiert und Verhandlungen erleichtert. Sie ist damit weniger Risiko als vielmehr eine Chance, den Unternehmenswert zu bestätigen und den richtigen Käufer genauer kennenzulernen.

Im Vorfeld eines Verkaufs bietet Venture Advisory Partners ein kostenfreies Strategiegespräch an, um typische Käuferfragen und sinnvolle Vorbereitungsschritte frühzeitig einzuordnen. Ergänzend laden wir Eigentümer zu einer unverbindlichen und kostenfreien Unternehmensbewertung ein, um mit einer realistischen Basis in den Verkaufsprozess zu starten.

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Venture Advisory Partners ist eine in Frankfurt ansässige M&A Beratung. Wir haben uns auf die Begleitung von Unternehmenskäufen, -verkäufen und -finanzierungen für den Mittelstand sowie Wachstumsunternehmen spezialisiert.

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Wir begleiten unsere Mandanten von der ersten Finanzierung bis zum erfolgreichen Unternehmensverkauf. Durch Unternehmenskäufe ermöglichen wir es Privatpersonen, ihren Einstieg ins Unternehmertum unter gesicherten Rahmenbedingungen zu verwirklichen.